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Das war es mit der kleinen Kneipe

Alenka gibt die Sonderbar in Herzberg auf.

Die Tür ist zu. Für Alenka heißt es in wenigen Tagen Tschüss zu sagen.
Die Tür ist zu. Für Alenka heißt es in wenigen Tagen Tschüss zu sagen.

Alenka hört auf! Ein Satz, der wohl so manchem ihrer Stammgäste in den letzten Wochen durstige Sorgenfalten auf die Stirn getrieben haben dürfte. Nach elf Jahren wird Alenka ab Ende September nicht mehr hinter der Theke ihrer Sonderbar am Pfingstanger in Herzberg stehen.

Aber nicht nur ihren Gästen wird sie fehlen, auch sie wird sicherlich viele ihrer Stammgäste vermissen, wie die zehn Mitglieder des Stammtisches von 1985, die sich fast jeden Dienstag bei ihr trafen. Auch den kleinen, immer stets netten Kabbeleien mit der leicht ergrauten lokalen Musiklegende wird sie hinterhertrauern.

Seit elf Jahren selbständig
Alenka Toblova führte die Sonderbar seit Oktober 2007. In den elf Jahren war sie Chefin, Barfrau, Servicekraft, Buchhalterin und Putzfrau in einer Person. In Trnava im Westen der Slowakei geboren, war sie 1991 nach Herzberg gekommen. Anfangs hielt sie sich „mit einigen Putzstellen über Wasser", wie sie selbst sagt. Später war sie in der Gastronomie bei Siggi Vogt und „Kuddel“ Speidel tätig. 1993 bis 2006 kochte und servierte sie bei Hermann Ahrens im Herzberger Jägerhof.

2006 verschlug es sie für kurze Zeit aus privaten Gründen in den Wienerwald in Österreich. 30 km vor den Toren Wiens sammelte sie weitere wertvolle Erfahrungen in der Gastronomie, insbesondere im Service.

Unkomplizierte Verhandlungen
Zurück bei einem Urlaub im Folgejahr in Herzberg merkte sie aber, wie sehr sie die gute Harzer Luft vermisste. Sie habe hier das Gefühl gehabt, sie sei wieder zu Hause, erinnert sie sich. Und blieb deshalb wieder in der Welfenstadt.

Nach schnellen und unkomplizierten Verhandlung übernahmen sie im Oktober 2007 das Bistro im Gebäude der ehemaligen Balkanstuben am Pfingstanger.

Der Name Sonderbar war auch nicht schwer zu finden, schließlich gab es an vielen anderen Orten auch Bistros oder gastronomische Einrichtungen mit diesem Namen. Außerdem war hier ohnehin alles sonderbar, inklusive der Wirtin, erklärt Alenka lächelnd.

Nicht zu groß und nicht zu klein
Weil sie die Sonderbar als reine Schankwirtschaft betrieb, war das Rauchen erlaubt. Und noch etwas Besonders hatte die Sonderbar: sie war genau richtig, nicht zu groß und nicht zu klein. Saßen fünf Stammgäste an der Theke, war es zwar nicht proppenvoll, aber es wäre auch keiner auf die Idee gekommen, zu sagen, es sei leer. Deshalb war die Sonderbar immer auch das ideale Lokal für kleinere Vereine, wie beispielsweise den Geflügelzuchtverein und die Reservisten. Auch die Schützengesellschaft, bei der Alenka Mitglied ist, war bei ihr regelmäßig zu Gast.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge
Trotz des Hauches Wehmut, der bei ihr deutlich zu spüren ist, sieht sie optimistisch in die Zukunft. Denn eine kleine Gastronomie wie die Sonderbar ganz allein zu betreiben, war immer eine wirtschaftliche Gratwanderung. Es fehle an Menschen in der Region, auch an jungen Leuten, die einfach nur einmal ganz gemütlich ein Bier trinken wollten.

Alenka wird künftig als Angestellte ihren Lebensunterhalt bestreiten. Abschied nimmt sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Finanzielle Sicherheit steht der Frage gegenüber, was bringt die neue Lebenssituation, vor allem auch, bedeutet sie gleichzeitig den Verlust vieler Kontakte?

Samstag Abschied mit Leberkäs‘ und Musik
Am kommenden Samstag, 22. September, will sie ab 16 Uhr in der Sonderbar Abschied feiern. Es wird wohl noch einmal voll werden. Für die Musik sorgt Frank Bode, für die hungrigen Gäste gibt es Leberkäse.

Die eine oder andere Träne wird an diesem Tag sicherlich nicht nur von Alenka verdrückt. Auf jeden Fall wird sie mit ihren Stammgästen ein letztes Mal gemeinsam „Die kleine Kneipe in unserer Straße" singen. Einige Zeilen weiter heißt es in dem Lied „Da fragt dich keiner, was du hast oder bist". Genau das ist es, was die kleine Kneipe Sonderbar auch so liebenswert gemacht hat.

Zitat: „Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge.“ Alenka Toblova, Noch-Inhaberin der Sonderbar

Text u. Foto : Peter Bischof

 

Stadt Herzberg am Harz
erstellt am 19.09.2018



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