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"UnErhört" (Herzberger Schlosskonzerte 2020)

So, 08.03.2020, 17:15 Uhr
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Die Sopranistin Sylvia Bleimund (links) lebt und arbeitet in Hannover, wo sie unter anderem privaten Gesangsunterricht gibt; Christina Worthmann, Klavier ((links)), studierte an der HMT Hannover und erhielt wichtige künstlerische Impulse durch internatioDie Sopranistin Sylvia Bleimund (links) lebt und arbeitet in Hannover, wo sie unter anderem privaten Gesangsunterricht gibt; Christina Worthmann, Klavier ((links)), studierte an der HMT Hannover und erhielt wichtige künstlerische Impulse durch internationale Meisterkurse.© Förderverein Schloss Herzberg e.V.

Lieder von Frauen, die sich Gehör verschafften

Sylvia Bleimund und Christina Worthmann treten im Rittersaal des Welfenschlosses Herzberg auf.

Eine Frau, die ernsthaft komponiert und ihr Leben damit bestreitet – all das schien Jahrhunderte undenkbar. So erhielt 1820 die 15-jährige Fanny Mendelssohn von ihrem Vater einen Brief: Im Gegensatz zu ihrem Bruder werde die Musik für sie „stets nur Zierde“ sein. Glücklicherweise ließ sie sich – wie einige andere Komponistinnen ebenso – von solchen Urteilen nicht abschrecken.

Sylvia Bleimund (Sopran) und Christina Worthmann (Klavier) begeben sich im Rahmen der Schlosskonzerte am Sonntag 8. März, ab 17.15 Uhr auf die Spuren von Fanny Hensel geb. Mendelssohn und weiteren Komponistinnen wie Clara Schumann, Johanna Mathieux /Johanna Kinkel, Alma Mahler, Cécile Chaminade, Lili Boulanger und Ethel Smyth. Dieser Liederabend im Rittersaal des Herzberger Welfenschlosses ist Frauen gewidmet, die sich und ihrer Kunst allen Widerständen zum Trotz Gehör verschafften. Der Eintrittspreis beträgt 12 Euro. Karten können auch im Vorverkauf in der TouristInfo Herzberg erworben werden.

Gleichwertig zu den männlichen Kollegen
So hatte auch Alma Mahler große Schwierigkeiten, das Komponieren bei ihrem berühmten Ehemann Gustav Mahler durchzusetzen. Von ihm lesen wir: „Wie stellst du dir so ein componierendes Ehepaar vor? Hast du eine Ahnung, wie lächerlich und später herabziehend vor uns selbst, so ein eigenthümliches Rivalitätsverhältnis werden muß? Wie ist es, wenn du gerade in ‚Stimmung‘ bist, und aber für mich das Haus, oder was ich gerade brauche, besorgen, wenn Du mir, wie Du schreibst, die Kleinigkeiten des Lebens abnehmen sollst?“

Die erst 19-jährige Lili Boulanger triumphierte 1913 im Rom-Wettbewerb über alle ihre männlichen Konkurrenten und gewann als erste Frau den Grand Prix de Rome, wie die Zeitschrift „Musica“ schrieb „auf Anhieb, mit Souveränität, Tempo und Leichtigkeit; was die übrigen Kandidaten einigermaßen verstört zurückgelassen hat, schwitzten sie doch seit Jahren Blut und Wasser, um sich dem Preis unverdrossen zu nähern.“

Ethel Smyth hatte als eine Mitstreiterin der Suffragetten den Anspruch, in ihrer Arbeit nicht als nebenher komponierende Lady, sondern als gleichwertig zu ihren männlichen Kollegen gesehen zu werden und von ihrer Arbeit zu leben.

Vom Schwanenlied bis zur Lorelei
Liebesmacht, Über allen Gipfeln ist Ruh, Schwanenlied, In meines Vaters Garten, Laue Sommernacht, Lorelei oder Ma première lettre: Auf dem Programm von Sylvia Bleimund und Christina Worthmann stehen im Rittersaal Kompositionen von Johanna Kinkel, Fanny Hensel, Clara Schumann, Alma Mahler, Cécile Boulanger und Ethel Smyth.

Das Programm haben die Künstlerinnen in Zusammenarbeit mit Frau Prof. Dr. Rode-Breymann (Präsidentin der HMTM Hannover) u. a. mehrfach im Niedersächsischen Landtag anlässlich der Jubiläumsfeiern zu 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland präsentiert.

Zwei renommierte Musikerinnen
Sylvia Bleimund, Sopranistin aus Hannover, studierte an der dortigen Musikhochschule. Engagements führten sie in den darauffolgenden Jahren unter anderem an die Theater in Hannover, Schwerin, Braunschweig, Hildesheim und Potsdam. Neben ihren zahlreichen Auftritten im Konzert- und Oratorienbereich sang sie in den letzten Jahren viele große Rollen des lyrisch-dramatischen Sopranfachs an verschiedenen Theatern in Deutschland und bei den Opernfestspielen in Bad Hersfeld.

Sylvia Bleimund hat mit namhaften Dirigenten wie Andreas Spering, Jörg Straube, Erich Wächter und Christian Thielemann, sowie u. a. mit den Regisseuren Urs Häberli und Erhard Fischer zusammengearbeitet. Außerdem tritt sie mit rennomierten Ensembles wie dem „Neuen Ensemble“ aus Hannover unter der Leitung von Stephan Meier auf. Sylvia Bleimund lebt und arbeitet in Hannover, wo sie unter anderem privaten Gesangsunterricht gibt.

Christina Worthmann, Klavier, studierte an der HMT Hannover und erhielt außerdem wichtige künstlerische Impulse durch mehrere internationale Meisterkurse. Engagements als Korrepetitorin bei nationalen und internationalen Gesangswettbewerben haben ihr künstlerisches Handwerk weiter präzisiert.

Ihr leidenschaftliches Interesse an der Vielseitigkeit der musikalischen Sprache spiegelt sich in ihren Tätigkeiten wieder: klassische Liedbegleitung und Kammermusik bilden einen Schwerpunkt.

In mehreren Ensembles ist Christina Worthmann darüber hinaus seit vielen Jahren mit spartenübergreifenden Formaten, in denen sie unterschiedliche musikalische Stile verbindet, auf der Bühne präsent


Text: Peter Bischof (Förderverein Schloss Herzberg e.V.), Foto: privat

Rubrik
Musik / Konzerte / Kabarett

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