In Herzberg am Harz...die Esperanto-Stadt befindet sich nicht nur das Deutsche Esperanto-Zentrum, sondern auch die Filiale des Deutschen Esperanto-Bundes für Weiterbildung und Kultur sowie der Sitz des Verbandes der Deutschen Esperanto-Lehrer. Deshalb liegt uns bei unseren verschiedenen Aufgaben die Sprach- und Kulturpolitik besonders am Herzen.
Das Ziel, hochwertige Bildung für alle zu gewährleisten, - das vierte der 17 Ziele für Nachhaltige Entwicklung - braucht für seine Verwirklichung bei allen Beteiligten - Lehrern, Studenten, Politikern und staatlichen Bildungseinrichtungen - eine Atmosphäre des Vertrauens und der Unterstützung. Diese Atmosphäre wiederum setzt voraus, dass die Lernenden für ihre Tätigkeit die bestmöglichen Voraussetzungen vorfinden. Das bedeutet hauptsächlich Lernen in einer Sprache, die vollständig verstanden wird - also der Muttersprache.
Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2021 zum Internationalen Jahr des Friedens und des Vertrauens erklärt. Ein guter erster Ansatzpunkt zur Verwirklichung dieser Initiative sind die Schulen.
In vielen Ländern und Lebensumständen werden Kinder nicht in ihrer eigenen Sprache unterrichtet und zu wenig wird unternommen, um ihnen beim Wechsel zur Unterrichtssprache zu helfen. Das gibt diesen Kindern einen lebenslangen Nachteil, der die durch Schulbesuch, kompetenten Unterricht und den Aufbau des Schulwesens erreichten Erfolge zunichte macht. Verzichten wir auf die Unterrichtung der Schüler in einer ihnen verständlichen Sprache, vergeuden wir Geld und gleichzeitig erfolgversprechendes Leben.
Das Hauptziel des Internationalen Tags der Muttersprache ist es, die pädagogischen Vorteile des Gebrauchs der Muttersprache als Unterrichtssprache, besonders in den Grundschulen, hervorzuheben. Kinder lernen Lesen und Schreiben schneller in einer Sprache, die sie vollständig beherrschen. Sie werden benachteiligt, falls sie ihre (Aus)bildung in einer Sprache beginnen müssen, die sie nicht oder nur teilweise beherrschen.
Der Internationale Tag der Muttersprache erinnert uns auch daran, dass in vielen Teilen der Welt den Sprachen der Status einer offiziellen Sprache fehlt, dass man Angehörige dieser Sprachen diskriminiert, ihre kulturellen Werte nicht anerkennt.
Das neulich veranstaltete Esperanto-Weltfestival bot während seiner dreimonatigen Dauer tausenden von Esperanto-Sprechern aus allen Teilen der Welt ein gemeinsames virtuelles Forum. In seiner Schlußerklärung forderte es die Vereinten Nationen und die UNESCO auf, eine mehr einbeziehende Sprachpolitik zu betreiben, um so die weltweite Gesellschaft für ihre Ziele zu mobilisieren. Die Unterstützung, welche die UNESCO der Schulung von Kindern in ihrer Muttersprache zukommen lässt, ist ein gutes Beispiel für eine solche einbeziehende Politik, weil sie die Bildung zu den Schülern führt, anstatt die Schüler zur Bildung zu treiben. Mit dieser Vorgehensweise macht sie sie zu besseren und bedeutenderen Teilnehmern an einer friedfertigen und gerechten Gesellschaft.
In dieser, von einer Pandemie geprägten Zeit, ist es besonders wichtig, dass die Bildung der Kinder auch die Eltern als Partner dieses Bildungsprozesses miteinbezieht. Das wiederum setzt Schulung und Ausbildung in der Muttersprache voraus, in der Sprache, die ein Teil des gemeinsamen Erbes von Eltern und ihren Kindern ist.
Für die Esperanto-Sprachbewegung sind die Bildung eines jeden in seiner ihm verständlichen Sprache, die in jeder Hinsicht sprachliche Gerechtigkeit, eine durch Bildung und gegenseitiges Verständnis friedlicher werdenden Welt Werte, deren Verwirklichung anzustreben ist. Mitglieder des Esperanto-Weltverbands und der Esperanto-Landesverbände arbeiten dafür in allen Teilen der Welt, verbunden durch die neutrale internationale Zweitsprache Esperanto.
Wir rufen die Vereinten Nationen, die UNESCO und alle, die sich für die nachhaltige Entwicklung einsetzen, dazu auf, das vierte Ziel für nachhaltilge Entwicklung und gleichzeitig das Wisssen, die Gleichheit, die Gerechtigkeit und die Zukunftsmöglichkeiten, die sich aus der Erreichung des Ziels ergeben, anzustreben.
Wir sagen für diesen Einsatz unsere Unterstützung zu und unterstreichen den Wert der neutralen Internationalen Sprache Esperanto für die Kommunikation mit Menschen in vielen Ländern, wie z.B. bei der Verbreitung von Mitteilungen wie dieser, zum Internationalen Tag der Muttersprache. Diesen Kommunikationswert hat die UNESCO durch seine lobenswerte Herausgabe von Werken auch in Esperanto bereits selbst erfahren.



